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Voerde bastelt an seiner Zukunft (archivierte Seite) (20.02.2008)

Presseschau vom 20.02.2008

VOERDE. Als Stadt zwar immer noch in den Zwanzigern, hat Voerde aus Sicht der Verwaltungsspitze reichlich Renovierungsbedarf. Nicht zuletzt angesichts einer immer älter werdenden Bevölkerung sehen Bürgermeister Leonhard Spitzer und der 1. Beigeordnete Wilfried Limke Handlungsbedarf: "Es muss etwas passieren. So, wie die Stadt aufgestellt ist, kann es nicht bleiben." Und darin setzen beide auf eine breite Mehrheit im Stadtrat.

So verabschiedete der Planungsausschuss gestern eine Art "Projekt 2030". Das heißt: Ein Frankfurter Projektbüro wurde für eine "mittlere fünfstellige Summe" mit der Moderation und Umsetzung beauftragt; außerdem bildete man eine begleitende Arbeitsgruppe aus Fraktionschefs und Ausschussvorsitzenden. Damit, so meint Spitzer, "hat die Zukunft in Voerde bereits begonnen".

"Wachsender

Leidensdruck"

Man habe über Jahre die Entwicklung der Stadt beobachtet und seit 2004 Daten in den Ortsteilen gesammelt. Man befrage Umzugswillige im Stadtgebiet und Neubürger. Das habe zumindest die Erkenntnis gebracht, dass in Sachen Infrastruktur und Arbeitsplätzen etwas getan werden müsse. Spitzer: "Nun sind wir an einem Punkt, an dem wir nur noch mit externem Sachverstand weiterkommen." Den soll das Büro Stein & Schultz liefern. Dessen Arbeitszeit ist erst einmal auf zwei Jahre angelegt; danach will man weitersehen.

Klingt das noch recht theoretisch, fasst der Technische Beigeordnete Wilfried Limke den "wachsenden Leidensdruck in Zeiten leerer Stadtkassen" schon etwas konkreter. Den sieht er beispielsweise bei der Entwicklung von Möllen. Aber auch im Zusammenhang mit der Deichsanierung in Götterswickerhamm oder dem Hafenausbau in Emmelsum. Limke: "Viele Teilprojekte müssen darauf untersucht werden, ob sie ins ,gemeinsame Ganze' passen." Und für Leonhard Spitzer ist das Ende des Bergbaus in Voerde ebenso ein Thema wie die Rolle, die die Landwirtschaft im Stadtgebiet künftig spielen wird.

"Runter von der

hohen Pendlerzahl"

Massiv rückläufige Schülerzahlen in den nächsten Jahren führen zu der Frage, wie viele Schulen noch gebraucht werden. Fragwürdig sei auch, sagt Limke, ob es richtig sei, voll auf die wachsende ältere Generation zu setzen: "Was ist dann mit der kleiner werdenden Gruppe der Jüngeren?"

Für den Bürgermeister stellt sich die Frage, welche Art von Wirtschaftsförderung künftig im interkommunalen Wettbewerb die richtige ist: "Müssen wir weg von der Logistikbranche, mehr hin zu mittelständischen Betrieben?" Spitzer hat dabei vor allem ein großes Ziel: "Wir haben täglich 9000 berufsbedingte Auspendler. Davon wollen wir runter." Aber es komme auch manches auf den Prüfstand, was Nachbarkommunen schon anbieten: "Statt vieles in der Region doppelt und dreifach vorzuhalten, sollten wir uns auf Nischen konzentieren", sagt Spitzer.

Für den Beigeordneten Limke ist Götterswickerhamm ein gutes Beispiel: Die Sanierung des Deiches bringe auch große Chancen mit sich, den Ort für den Rheintourismus fitzumachen. Aber auch der Reit-Tourismus ist für ihn ein Feld, auf dem Voerde mitspielen wolle.

Bürgerbeteiligung

statt Wahlkampf

"Aber bei all dem müssen wir die Bevölkerung mitnehmen", wirft der Bürgermeister ein. Deshalb sollen möglichst viele Voerder in den nächsten Monaten in einer Reihe von Workshops und Veranstaltungen an dem Veränderungsprozess beteiligt werden. Dabei werde die Verwaltung bewusst rausgehalten, um nicht zu signalisieren, dass eh alles laufe, wie gehabt. Zudem, so Spitzer: "Die Sache ist zu wichtig, als dass damit Wahlkampf gemacht wird."

ZUR SACHE W

anderer, kommst Du nach Voerde, meide die Mitte! Geh' auf die Dörfer!

Der Dichter, dem ich das Zitat verdreht habe, möge mir verzeihen. Aber seitdem ich Zugereister die Stadt kenne, kann ich der teils grässlichen 70/80er-Jahre-Architektur von "Downtown Voerde" nichts abgewinnen. Rein, einkaufen, raus! Da hilft nicht mal Renovierung oder Sanierung. Besser wäre: abreißen und (schöner) neu bauen!

Auch in Möllen, eigentlich ganz nett am Wohnungswald gelegen, aber zugleich vom Kraftwerk fast erdrückt, besteht massiv Handlungsbedarf, speziell seitens Evonik Immobilien. Am schönsten finde ich Voerde, wo es eigentlich gar nicht Voerde ist: in den Rheindörfern. Aber ein Fluss macht halt vieles wett, was Menschen so verbauen - vor allem: Idylle. Nicht ohne Grund wird Götterswickerhamm an Wochenenden von Menschen aus dem gesamten Ruhrgebiet heimgesucht.

Daraus ließe sich doch etwas machen. Vorausgesetzt: Die Bewohner machen mit. Derart zugeparkt zu werden wie in letzter Zeit, das nervt die "Eingeborenen" gewaltig.

Voerde-Mitte, Möllen, Götterswickerhamm: nur drei Beispiele für Leidensdruck. Da gäbe es viel mehr aufzuzählen. Aber das sollten die Bürger ihrer Stadtspitze selbst mitteilen. Die Chance haben sie jetzt; sie sollten sie nutzen. In der Nachbarstadt Dinslaken sieht es anders aus: Da wird weiterhin nach Burgherrenart geplant und entschieden.
HEINZ INGENSIEP

h.ingensiep@nrz.de

Quelle: www.derwesten.de, Neue Rhein Zeitung Lokalausgabe Dinslaken vom 20.02.2008 - Mit freundlicher Abdruckgenehmigung der NRZ (Ingensiep) vom 27.02.2008



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